Vor einiger Zeit kam sie wieder, die Nachricht, dass es eine schlimme Rezession gäbe. Ich glaube, es war ein Prozentpunkt, um den das Wirtschaftswachstum zurückgehen soll (diese Meldungen gab es in der Vergangeheit auch schon zahlreich und wie durch ein Wunder, wurde es dann doch nicht so schlimm).
Es wird also ein Prozent weniger Wirtschaftswachstum geben. Wohlgemerkt: WACHSTUM!
Es wird keine Verluste geben, nur eben ein bisschen weniger vom Gewinn. Trotzdem wird diese Meldung so verbreitet, als müsse die Wirtschaft morgen untergehen, Jeder kleine und mittelständische Betrieb wirtschaftet so, dass er möglichst Zeiten ohne Zuwächse oder gar Verluste überstehen kann.
Das funktioniert interessanterweise in der Grosswirtschaft nicht so. In „schlechten“ Zeiten wird ein Zubrot vom Staat (also uns allen) verlangt, die Flaute wird also nicht mit den üppgen Gewinnen gepuffert, die vorher erwirtschaftet worden sind.
Die grosse Drohung sind dann die schwindenden Arbeitsplätze. Ungeachtet dessen werden die Gelder aus Gewinnen zum Abbau derselben eingesetzt. Erst unlängst hat ein grosser Chemiekonzern ein vollautomatisierte Werk im Osten Deutschlands errichtet und hatte keine Skrupel, für dieses Millionen an Subventionen zu fordern – und auch zu bekommen.
Wir bezahlen also grosse Konzerne dafür, dass diese Stellen abbauen, wir pflegen für sie die Infrastruktur für den Transport ihrer Güter, fangen die Arbeitnehmer auf, die bei den Rationalisierungen auf der Strecke geblieben sind, subventionieren deren Energiekosten.
Zum Dank schaffen dann Konzerne es auch noch, kaum etwas zur Beteiligung an unserer Gesellschaft in Form von Steuern beizutragen, dank hervorragender Steuerberater und Rechtsanwälte – und einem gut funktionierenden Lobbyismus.
Gehen wir einmal etwas in der Geschichte zurück: in den 1970/1980ern gab es bereits eine grosse Rationalisierungswelle. Dies geschehe alles zum Wohle der Gesellschaft, schwere Arbeit müsse nicht mehr verrichtet werden, es würde mehr Freizeit zur Verfügung stehen und Kultur, Bildung und Soziales sowie das Gesundheitswesen sollten gefördert und abgesichert werden.
Was folgte war eine dank ihrer Leistungskurse wirtschaftsorientierte und unkritische Bildungsreform, eine Verschulung des Studiums, der Abbau von Sozialleistungen und Gesundheitswesen sowie Stellenabbau.
Währenddessen wurden die grossen Gewinne dazu eingesetzt im Rahmen der immer weiter entwickelten Globalisierung sich steuerlich den nationalen Strukturen durch Umschichtung der Gewinne in „steuerfreundlichen“ Länder zu entziehen.
Noch stärker wurde diese Entwicklung ab 2008, dem Jahr DER Krise. Sehr viele Konzerne und Banken wurden sttaatlich (also von uns allen) gestützt. Es drohte der Kollaps. Und trotzdem reissen seitdem die Meldungen über Rekord-Gewinne und -Umsätze nicht ab – und die Krisenmeldungen allerdings auch nicht.
Spannend auch der Umgang mit der jetzigen Inflation, einer Bereinigung, die schon so lange anstand und im Grunde genommen nichts bedrohliches an sich hat. Nach Zeiten einer künstliche Null-Zins Politik – um die Wirtschaft zu stärken – war es nicht verwunderlich, das es zunächst einen Inflationspeak gibt. Der ist auch schnell wieder gesunken – doch das Bedrohungsszenario wird inzwischen schon bei 0,1 Prozentpunkten geschürt.
Gehen wir also noch einmal zurück, auch wieder in die siebziger/achtziger Jahre: Inflation war etwas sehr normales, ein fester Bestandteil einer Geld- und Investmentpolitik. Auch stellten Zeiten, in denen sich Verluste ergaben, kein grosses Problem dar, schliesslich gehörte es zum Wirtschaften, genau diese Effekte des Rauf und Runter mit einzuplanen.
Das ist aber etwas, was eine wachstumsorientierte Wirtschaft heute nicht mehr mit einbezieht. Nun kommt für die Verluste die Gesellschaft auf. Der Abbau in den Bereichen Kultur, Bildung, Soziales und Gesundheitswesen kommt nicht von ungefähr. Der weitere Stellenabbau ebenso.
Eigentlich wissen wir es schon lange: immerwährendes Wachstum ist nicht möglich, nicht zuletzt wegen der begrenzten Ressourcen. Trotzdem stellen Erhalt oder sogar Verzicht heute keinen Wert dar. Die Werteskala von Managern, Geschäftsführern, Abteilungsleitern und nicht zuletzt auch Politikern ist nach wie vor und wider besseren Wissens: mehr, mehr, mehr….
Und so werden wir offensichtlich nicht weiterkommen.